Greens-Pulver & Health Claims: Wunsch und Wirklichkeit Faktencheck mit Etiketten-Lupe
- Rebecca Mischke

- 15. Dez. 2025
- 11 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Jan.
*Warum „Supergreens“ so gut klingen und warum du sie trotzdem (oder gerade deshalb) nüchtern lesen solltest.
Du kennst diese Ads: grüne Pulver, 65+ „kraftvolle“ Zutaten, ein Shake statt zig Kapseln. Dazu Sätze wie „wissenschaftlich fundiert“ und „100% natürlich“. Und plötzlich fühlt sich Alltag an, als bräuchtest du nur noch einen Löffel… und zack: Energie, Immunsystem, Darm-Reset.
Ich mag gute Gesundheitskommunikation. Wirklich. Ich mag sie nur noch mehr, wenn sie klar ist: Welche Aussage ist legal und welche Wirkung ist realistisch? Welche Zutat wirkt und welche dient eher der Story? Welche Dosis macht physiologisch Sinn und welche ist nur Marketing?
Genau das machen wir jetzt am Beispiel von "Grüne Mutter". Nicht als Bashing. Sondern als Faktencheck, der dich in die Lage versetzt, Aussagen sauber einzuordnen und zwischen Werbeslogan und Wirklichkeit zu differenzieren.

Inhaltsverzeichnis: Greens-Pulver & Health Claims
Zusammenfassung des Artikels auf einen Blick
⏱️ Lesezeit: 12 - 13 Min · Kernfrage: Hype oder echter Health-Impact?
Functional bedeutet: Health Claims sind in der EU reguliert. Wirkversprechen brauchen zulässige Wortwahl, „Wirkung“ hängt aber immer von Dosis & Kontext ab.
„Grüne Mutter“ in Kürze: 30 g Portion · 97 kcal · 5,9 g Ballaststoffe (~20 % Tagesziel) · 7,1 g Protein · 11 g KH (davon 4,3 g Zucker) · 7,5×10⁹ KBE Probiotika · „Premium“-Zutaten oft im mg-Bereich (z. B. Beta-Glucane 84 mg, EGCG 6,7 mg, EPA+DHA 4,5 mg).
Was es „kann“: Spürbar am ehesten über die Ballaststoffmenge (Sättigung/Regelmäßigkeit je nach Person); Protein & Mikros können Convenience liefern. Besonders, wenn im Alltag sonst „unterversorgt“.
Was es eher nicht leistet: Die großen Story-Claims zu Beta-Glucanen/Omega-3 werden bei dieser Größenordnung nicht über die „klassische Dosislogik“ getragen (84 mg Beta-Glucane - eher Symbolik; 4,5 mg EPA+DHA = deutlich unter wirksamen Orientierungsgrößen).
Etikett-Realitätscheck: Gramm-Zutaten (Ballaststoffe/Protein/Fasern) - Fundament · Milligramm-Zutaten (Extrakte/„Biohacking“-Anker) oft Story/Flair, nicht automatisch sinnlos, aber selten der Haupttreiber.
Kosten/Nutzen: Häufig Premiumpreis vs. günstigere Baukasten-Lösungen (Ballaststoffe/B12/D/Omega-3) - Convenience ist der Mehrwert, nicht die Wunderwirkung.
Smart Use-Cases: Als „Ballaststoff-Boost“ in einem ansonsten ballaststoffarmen Tag; als Ritual für Menschen, die mit Gemüse/Leguminosen schwer tun; start low, go slow bei empfindlichem Bauch.
Achtung bei: Dauermedikation (Grapefruit-Komponenten → Interaktions-Check) · Blutdruck/Kalium (Süßholz: ohne Glycyrrhizin-Angabe schwer einzuordnen) · Schwangerschaft/Stillzeit/Kids → kurz abklären · Reizdarm/FODMAP-Sensibilität → langsam testen.
Fazit: Pragmatische Convenience mit echtem Ballaststoffbeitrag aber die „Premium“-Story funktioniert vor allem als Gefühl, nicht als Dosis-Impact.
Bewertung: Substanz (Ballaststoffe/Protein) ★★★★☆ | Dosis-Transparenz ★★★★☆ | Premium-Story vs. Dosis ★★☆☆☆ | Verträglichkeit/Safety-Leitplanken ★★★☆☆ |
Preis-Leistung ★★★☆☆
Hinweis: Kein medizinischer Rat. Quellen & Details im Artikel.
Warum Greens-Pulver so gut verkaufen und so selten sauber erklären
Weil sie ein perfektes Versprechen-Paket liefern aber oft ohne saubere Dosis-Logik.
Greens-Pulver sind ein Paradebeispiel für ein Muster, das ich in der Gesundheitswelt ständig sehe: Viele laute Versprechen, viel Natur-Storytelling und wenig Klarheit darüber, welcher Inhaltsstoff in welcher Menge den Nutzen liefern soll.
Das Problem ist nicht Nahrungsergänzung per se. Das Problem ist die Verwechslung von Plausibilität mit Evidenz:
„Klingt gesund“ (Greens, Pilze, Algen, Probiotika) ersetzt nicht die Frage: "Reicht die Dosis?"und "Wissenschaftlich formuliert" ersetzt nicht die Frage: "*Welche Aussage ist in der EU überhaupt zulässig und worauf basiert sie?"
Die Spielregeln: Health Claims in der EU
Gesundheitsbezogene Aussagen sind in der EU nicht frei erfindbar. Sie hängen an zugelassenen Claims und Bedingungen.
In der EU gilt: Health Claims dürfen nur genutzt werden, wenn sie zugelassen sind und die Bedingungen erfüllt werden. In der Praxis führt das zu zwei Effekten, die du in fast jeder Supplement-Werbung wiederfindest:
„Klingt stärker, als es ist“
Rechtlich geht es häufig um Formulierungen wie: „trägt zu einer normalen Funktion bei“
nicht um „boostet“, „stärkt“ oder „macht dich seltener krank“.
Der Claim-Anker ist oft… langweilig (und genau das ist der Punkt)
Der Claim hängt häufig an Standard-Mikronährstoffen wie Vitamin C, B-Vitaminen, Zink & Co. Nicht an der exotischsten Zutat.
„Signifikante Menge“: Warum 15% NRV oft die unsichtbare Schwelle sind
Damit Aussagen wie „Quelle von…“ oder bestimmte Claims zulässig sind, muss ein Nährstoff in signifikanter Menge enthalten sein.
Health Claims sind kein Poetry Slam. Es ist Regelwerk + Bedingungen + Zahlen.
Auf einen Blick: „Grüne Mutter“ (Stand 15.12.2025)
Quick Take, bevor wir tief reingehen:
Portion: 30 g (das ist nicht „nur ein bisschen grün“)
Makros: 5,9 g Ballaststoffe + 7,1 g Protein pro Portion → das sind relevante Größen
Viele Premium-Zutaten sind mg-dosiert → da lohnt sich die Etiketten-Lupe
Probiotika: 7,5 × 10⁹ KBE - klingt viel, sagt aber ohne Stämme/Indikation wenig über Wirkung aus
Kerngedanke: Zahl schlägt Gefühl. Immer.

Etiketten-Check: Was steckt pro Portion wirklich drin?
Das Fundament sind Makros/Mikros. Die „Premium“-Story spielt oft im mg-Bereich.
Primärquelle ist immer das Etikett / die Herstellerangabe. Für dieses Beispiel nutze ich die öffentlich zugänglichen Angaben von Alpha Foods („Grüne Mutter“, Serviergröße 30 g) - Stand 15.12.2025.
Portionsgröße & Makros (pro Portion, 30 g)
Laut Herstellerangaben:
97 kcal
Fett: 1,0 g (davon gesättigt 0,2 g)
Kohlenhydrate: 11 g (davon Zucker 4,3 g)
Ballaststoffe: 5,9 g
Eiweiß: 7,1 g
Salz: 0,22 g
Einordnung: Das ist kein „nur ein bisschen grün“. 5,9 g Ballaststoffe und 7,1 g Protein sind für ein Greens-Pulver relevant. Aber: Es bleibt ein Supplement, kein Mahlzeitenersatz.
Frag nicht zuerst „Klingt das gesund?“ Frag: „Welche Zutat trägt in welcher Menge, unter welchen Bedingungen?“
MIni-Glossar: Begriffserklärung aus den Etiketten
Begriff | Kurz erklärt (ohne Fachchinesisch) |
KBE (koloniebildende Einheiten) | Maß dafür, wie viele lebensfähige Bakterien enthalten sind. International oft als CFUbezeichnet. Entscheidend: Menge allein sagt wenig über Wirkung. Relevant sind Stamm & Einsatzgebiet. |
NRV (Nährstoffbezugswert) | Referenzwert für die Kennzeichnung in der EU. Zeigt, wie viel Prozent des täglichen Bedarfs eine Portion liefert – kein individueller Bedarf, sondern eine Orientierungsgröße. |
EGCG | Ein Catechin aus Grüntee. Wird häufig als Markerstoff für Grüntee-Extrakte verwendet. Aussagen zu Wirkung hängen stark von Dosis & Kontext ab. |
EPA / DHA | Langkettige Omega-3-Fettsäuren (aus Fisch oder Algen). Für zugelassene Health Claims werden meist deutlich höhere Tagesmengen herangezogen als symbolische mg-Zugaben. |
Health Claim | Gesetzlich geregelte, zugelassene gesundheitsbezogene Aussage in der EU (z. B. „trägt zu einer normalen Funktion bei“) – keine freie Wirkbehauptung. |
Signifikante Menge | Schwellenlogik, ab der Nährstoff-Kommunikation erlaubt ist. Häufig (vereinfacht) ≈ 15 % NRV pro 100 g/100 ml oder pro Portion, abhängig vom Produktformat. |
Beta-Glucane | Lösliche Ballaststoffe (z. B. aus Hafer/Gerste). Für bestimmte Claims sind konkrete Tagesmengen (im Gramm-Bereich) definiert. Kleinere mg-Mengen tragen diese Effekte nicht. |
„Headline“-Zutaten (Auszug, pro Portion)
Auszug aus den deklarierten Mengen:
Akazienfaserpulver: 3,0 g
Weizengraspulver: 1,5 g
Spinatpulver: 1,5 g
Inulin: 711 mg
Acerolafruchtsaftextrakt (500 mg) liefert laut Etikett 125 mg Vitamin C pro Portion (156 % NRV) und fungiert damit als zentraler Claim-Anker für Immunsystem- und Zellschutz-Aussagen.
„Story“-Anker (Auszug, pro Portion)
Aus den Etikett-Infos (Stand 15.12.2025) u. a.:
Bakterienmischung: 7,5 × 10⁹ KBE
Beta-Glucane: 84 mg
Grünteeextrakt: 15 mg (davon EGCG **6,7 mg**)
Algenöl-Pulver: 50 mg (davon DHA 3,0 mg + EPA 1,5 mg)
Süßholzwurzelpulver: 81 mg
Grapefruit-Samenextrakt: 10 mg (davon Naringin 4,5 mg)
Mini-Fazit aus den Zahlen:
Das tragende Fundament ist erkennbar (Ballaststoffe + Protein + Mikronährstoffmix).
Viele „Premium“-Zutaten spielen im mg-Bereich und genau da beginnt die spannende Frage nach „Wunsch vs. Wirklichkeit“.
Etiketten-Lupe: Gramm vs. Milligramm (Reality-Table)
Gramm (Fasern/Protein) = das, was im Alltag am ehesten spürbar ist.
Milligramm (Extrakte/„Premium“-Anker) = oft eher Kontext/Kommunikation als Wirk-Hebel.
Einordnung nach Zielen: Immunsystem, Energie, Darm, Fokus
Legal heißt oft „Normalfunktion“. Spürbar wird’s vor allem, wenn ein Mangel/Bedarf getroffen wird oder wenn Makros (z. B. Ballaststoffe) wirklich relevant dosiert sind.
Ich bleibe hier bewusst sauber: Ein Nahrungsergänzungsmittel darf (legal) meist nur „Normalfunktion“ kommunizieren. Ob du daraus subjektiv „mehr Energie“ spürst, hängt stark von Kontext, Ausgangsstatus und Alltag ab.
Welche Mikronährstoffe tragen die Claims? (pro Portion, 30 g)
Mikronährstoff | Menge | NRV | Typische Claim-Zuordnung |
Vitamin C | 125 mg | 156 % | Immunsystem, Zellschutz |
Vitamin D | 1,5 µg | 30 % | Immunsystem, Knochen |
Vitamin B6 | 0,30 mg | 21 % | Energiestoffwechsel, Nerven |
Vitamin B12 | 0,49 µg | 20 % | Energiestoffwechsel, Nerven |
Niacin (B3) | 3,0 mg | 19 % | Energiestoffwechsel |
Pantothensäure (B5) | 1,1 mg | 18 % | Energiestoffwechsel |
Riboflavin (B2) | 0,27 mg | 19 % | Energiestoffwechsel, Zellschutz |
Thiamin (B1) | 0,22 mg | 20 % | Energiestoffwechsel, Nerven |
Folsäure | 40 µg | 20 % | Zellteilung |
Biotin | 9,9 µg | 20 % | Energiestoffwechsel |
Zink | 1,6 mg | 16 % | Immunsystem |
Selen | 8,4 µg | 15 % | Zellschutz |
Chrom | 7,2 µg | 18 % | Blutzuckerstoffwechsel |
Jod | 39,2 µg | 26 % | Schilddrüse, Energie |
Molybdän | 7,8 µg | 16 % | Enzymfunktionen |
Die zugelassenen Health Claims des Produkts stützen sich primär auf diese Mikronährstoffe - nicht auf die Vielzahl pflanzlicher Extrakte. Entscheidend ist hier weniger die Anzahl der Zutaten als deren NRV-relevante Dosierung pro Portion.
Immunsystem
Ein zentraler Claim-Anker im Produkt ist Vitamin C. Laut Herstellerangaben liefert eine Portion (30 g) 125 mg Vitamin C, das entspricht 156 % des NRV. Damit ist die Voraussetzung für entsprechende EU-Health-Claims klar erfüllt. Die Aussage lautet jedoch weiterhin: „trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“, nicht mehr.
Realistische Einordnung: Bei Mangel kann das Schließen des Mangels spürbar sein (z. B. weniger Müdigkeit). Bei guter Versorgung ist der Zusatznutzen oft kleiner, als die Werbung emotional ankündigt.
Immunsystem-Kommunikation ist oft korrekt aber die Erwartung ist häufig zu groß.
Energie
„Energie“ bedeutet in Claims meist: normaler Energiestoffwechsel (B-Vitamine, Jod, Eisen etc.) und Verringerung von Müdigkeit/Ermüdung (v. a. relevant bei Mangel)
Realistische Einordnung: Der Claim kann legal sein, „Energy Boost“ ist oft ein Interpretationssprung.
Legale Aussage ≠ spürbarer Kick.
Darm
Hier steckt am ehesten Substanz im System, weil du eine greifbare Stellschraube hast: Ballaststoffe. Die DGE nennt als Richtwert 30 g Ballaststoffe/Tag. Wenn ein Produkt 5,9 g pro Portion liefert, ist das rechnerisch:
5,9 g ÷ 30 g = 0,196… → ≈ 20% des Richtwerts
Das ist ein echter Hebel. Aber: „Darmgesundheit“ ist ein Containerbegriff. Regelmäßigkeit, Beschwerden, Mikrobiom, Entzündung sind völlig unterschiedliche Zielgrößen.
Probiotika (kurz & ehrlich):
Effekte sind stamm- und indikationsspezifisch.
„Viele Stämme“ ist kein Wirksamkeitsbeweis.
KBE-Zahl allein ist nicht gleich Outcome.
Ballaststoffe = messbar. Probiotika = nur bewertbar mit Stämmen + Ziel.
Konzentration/Fokus
Kognitive Claims hängen häufig an Jod, Eisen, B-Vitaminen (wieder: Normalfunktion).
Akute „Fokus-Verbesserung“ ist aber eine hohe Erwartung und oft stärker beeinflusst durch Schlaf, Stress, Mahlzeitenstruktur und (ja) Koffein.
Fokus ist selten „eine Zutat“. Fokus ist System.
„Schmuckzutaten“-Logik: Premium-Story vs. Mindestwirksame Dosis
Viele Zusätze sind nicht per se „nutzlos“ aber sie sind oft nicht in der Größenordnung dosiert, die die Story tragen würde.
Jetzt kommt mein Lieblingsmoment im Faktencheck: Zahl schlägt Gefühl.
Beta-Glucane: perfektes Beispiel für Claim-Bedingungen
Für Hafer-/Gersten-Beta-Glucane gibt es spezifische Bedingungen. Der kommunikative Effekt ist an eine Tagesaufnahme in der Größenordnung von 3 g/Tag geknüpft (je nach Claim-Kontext).
Wenn auf dem Etikett 84 mg stehen:
- 84 mg = 0,084 g
- 0,084 g ÷ 3 g = 0,028 → 2,8% dieser Größenordnung
Das ist nicht „wertlos“. Jedoch ist das nicht die Dosis, die die Cholesterin-Story trägt.
Omega-3 (EPA/DHA): noch ein „Zahl schlägt Gefühl“-Moment
Für zugelassene Aussagen rund um EPA/DHA wird in den Bedingungen u. a. auf 250 mg EPA+DHA/Tag verwiesen (Normalfunktion Herz).
Wenn das Produkt pro Portion DHA 3,0 mg + EPA 1,5 mg = 4,5 mg ausweist:
- 4,5 mg ÷ 250 mg = 0,018 → 1,8% dieser Größenordnung
Auch hier gilt: Nicht die Story ist das Problem. Die Erwartung ist es.
Grüntee/EGCG, Pilze, „Biohacking“-Vibes
Extrakt ≠ Lebensmittel. Und „natürlich“ ≠ automatisch risikofrei.
Bei 6,7 mg EGCG bist du weit weg von Dosen, die in Sicherheitsdiskussionen zu Grüntee-Extrakt typischerweise relevant werden. Aber das Prinzip bleibt: Wenn Extrakte hoch dosiert werden, gehören Leitplanken dazu.
Sicherheits-Check: ohne Drama, aber mit Verantwortung
Zwei Klassiker bei solchen Blends sind Süßholz (Glycyrrhizin) und Grapefruit (Interaktionen). Nicht Panik. Nur: bewusst sein.
Hinweis:Das ist allgemeine Information, keine individuelle medizinische oder rechtliche Beratung.
Süßholz (Glycyrrhizin) & Blutdruck
Süßholz kann - abhängig vom Glycyrrhizin-Gehalt und der Gesamtexposition - Blutdruck und Kalium beeinflussen.
Wichtig: Ohne Glycyrrhizin-Angabe im Produkt lässt sich das Risiko nicht exakt quantifizieren.
Wenn du Blutdruckthemen hast oder kaliumrelevante Medikamente nimmst: lieber einmal abklären.
Grapefruit-Komponenten & Arzneimittelinteraktionen
Grapefruit ist ein Klassiker in der Pharmakologie, weil Inhaltsstoffe Enzyme/Transporter beeinflussen können (u. a. CYP3A4). Für Menschen mit Dauermedikation ist das immer ein „Pause & Check“-Moment.
Wenn du regelmäßig Medikamente nimmst (Blutdruck, Statine, Immunsuppressiva, Psychopharmaka etc.): vorher Ärzt*in/Apotheke fragen.
Für wen ich besonders Leitplanken setze
Schwangerschaft/Stillzeit
Kinder/Jugendliche
Lebererkrankungen, Nierenerkrankungen
Dauermedikation
sehr empfindlicher Darm / Reizdarm (Ballaststoffe langsam steigern)
Alternativen, die sinnvoll sein können (Baukasten statt Wundermittel)
Wenn du ein Ziel hast, bau dir ein System, das dosierbar ist. Weniger Wunder. Mehr Kontrolle.
Ohne Marken. Ohne „du musst nur…“. Einfach ein Baukasten, der wirkt, weil er prüfbar ist.
Darm / Regelmäßigkeit / Sättigung
Priorität: Ballaststoffziel über Lebensmittel erreichen. Optional gezielte Ergänzung.
Praxis:
- langsam steigern (Blähungen sind oft Tempo-Thema)
- genug trinken
- „Ballaststoffträger“ in den Alltag integrieren: Hülsenfrüchte, Vollkorn, Gemüse, Beeren, Nüsse/Samen
Vegan/vegetarisch: Vitamin B12 ist „non-negotiable“
DGE-Referenzwert für Erwachsene: 4,0 µg/Tag.
Praxis:
- B12 gezielt supplementieren (Form & Dosierung transparent)
- nicht darauf hoffen, dass „Algen/fermentiert“ das zuverlässig regelt
Vitamin D
DGE nennt 20 µg/Tag (800 IE), wenn die körpereigene Synthese fehlt.
Praxis:
- im Zweifel Status ärztlich prüfen lassen
- keine hochdosierten „Bolus“-Experimente ohne medizinische Begleitung
Omega-3 (EPA/DHA)
Wenn Omega-3 ein Ziel ist: dann bitte in wirksamer, klarer Dosierung (nicht in 3 mg „Symbolik“). Als kommunikative Orientierungsgröße tauchen häufig 250 mg/Tag EPA+DHA auf (Normalfunktion Herz).
Energie & Fokus
Erst die Basics:
- Schlaf
- Eisenstatus (bei Risiko)
- Protein-/Kohlenhydratverteilung
- Stressmanagement
Dann: Mikronährstoffe gezielt nach Bedarf, idealerweise laborgestützt.
Woran du „gute“ Supplements erkennst
klare Dosierungen pro Portion (keine „Proprietary Blend“-Nebelwand)
prüfbare Wirkstoffform (z. B. bei B12/D, Omega-3 Gehalt)
realistische Claims (Normalfunktion statt Wunder)
Hinweise zu Zielgruppen/Interaktionen (Medikation, Schwangerschaft etc.)
Die Kosten-Nutzen-Rechnung: Lohnt sich die Convenience?
Hier wird es interessant für deinen Geldbeutel: Eine 30-g-Portion kostet - je nach Preis/Angebot - grob um die ~2 € (bei 66,50 €/kg sind es ca. 2,00 €). Dafür bekommst du u. a. 5,9 g Ballaststoffe (≈ 20% Tagesziel) plus Protein und Mikros und eine Menge Zutaten, die eher im mg-Bereich dosiert sind.
Dieselbe Größenordnung Ballaststoffe bekommst du (grob) auch aus:
1 Portion Flohsamenschalen (oft nur ein paar Cent aber: Textur & „start low, go slow“)
2 Scheiben Vollkornbrot (alltagstauglich, variiert je nach Sorte)
1 Portion Hülsenfrüchte (Ballaststoffe + Protein, dafür mehr Planung)
Beeren/Obst + Nüsse/Samen (Polyphenole/Mikros, Saison/Preis schwankt)
Für manche Menschen kann genau diese Einfachheit der Schlüssel sein, überhaupt regelmäßig Ballaststoffe, Protein und Mikronährstoffe zuzuführen und dann kann sich der Preis rechtfertigen. Wenn du jedoch gezielt wirksame Dosen einzelner Nährstoffe erwartest, ist der Baukasten meist transparenter und günstiger. Entscheidend ist, dass du weißt, wo echte Substanz liegt und wo eher Storytelling.
Fazit & Mini-Checkliste: Greens lesen wie ein Profi
Unterm Strich geht es nicht um „gut“ oder „schlecht“, sondern um Erwartungsmanagement.
Greens Pulver können Convenience liefern aber du solltest sie wie ein Etiketten-Profi lesen, nicht wie ein Werbe-Profi fühlen.
Wenn du nur ein Learning aus diesem Artikel mitnimmst, dann diese:
Frag nicht zuerst: „Klingt das gesund?“ Hinterfrage stattdessen: „Welche Zutat trägt in welcher Menge, unter welchen Claim-Bedingungen?“
Mini-Checkliste für dich
Ist der Claim „Normalfunktion“ – oder wird emotional „mehr“ suggeriert?
Welche Zutaten sind **gram-dosiert** (tragen potenziell) vs. **mg-dosiert** (oft Story)?
Gibt es Claim-Bedingungen mit klarer Dosislogik (Beta-Glucane / EPA+DHA)?
Gibt es potenzielle Interaktionen (Süßholz, Grapefruit, Extrakte)?
Was wäre die günstigere, kontrollierbarere Alternative (Baukasten)?
Disclaimer: Keine medizinische Beratung. Unbezahlter Produkt-Check aus eigenem Interesse. Stand der Analyse: 15.12.2025 (Produktangaben können sich ändern)
Für Marken
Wenn du ein Produkt in diesem Segment vermarktest, brauchst du 2026 zwei Dinge:
zulässige Wortwahl und Dosis-Logik.
Denn: Marketing schafft Aufmerksamkeit. Transparenz schafft Vertrauen.
Wenn du willst: Ich mache deinen Claim- & Etiketten-Check (Wording, Compliance-Leitplanken, „Zahl schlägt Gefühl“-Tabelle).
Häufige Fragen zu Greens-Pulvern (FAQ)
Ist ein Greens-Pulver „sinnlos“?
Nicht automatisch. Es kann Convenience liefern (Ballaststoffe/Protein/Mikros). Sinnlos wird es, wenn du Wunder erwartest.
Warum dürfen Marken so viel versprechen?
Weil sie oft mit zugelassenen „Normalfunktion“-Claims arbeiten und die Story drumherum emotional aufladen.
Sind Probiotika immer gut?
Sie können sinnvoll sein aber Effekte sind stamm- und zielabhängig. „Viele Stämme“ ist kein Wirksamkeitsbeweis.
Kann ich damit B12/D/Omega-3 „abdecken“?
Wenn die Mengen auf dem Etikett sehr klein sind, ist das eher Symbolik. Für B12 und Vitamin D gelten klare Referenzwerte/Einordnungen.
Was ist die beste Alternative ohne Supplement?
Bei Ballaststoffen: Lebensmittel first. Bei B12 (vegan): Supplement ist oft die verlässlichste Strategie.
Let's go, Healthy Marketing!
Du liebst evidenzbasierte Health-Checks zu Ernährungstrends, Darmgesundheit, Nahrungsergänzungsmitteln und Female Wellbeing ohne leere Werbefloskeln, dafür mit Story, Struktur und Substanz? Dann schreib mir, was ich als nächstes testen soll.
Buche ein Kennenlerngespräch, wenn du Content & Copy für Health Brands suchst, die wirklich wirken.
Über die Autorin
Rebecca Mischke - Health Copywriterin & KI gestütze Content-Strategin. Fokus: Darmgesundheit, Mikrobiom-Kommunikation, präventive Ernährung. „SEO but soulful“-wissenschaftlich fundiert, emotional zugänglich, markenstark.
Quellen & weiterführende Studien
Recht & Register
- EU Health Claims Verordnung (EG) 1924/2006 (EUR-Lex): https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2006/1924/oj/eng
- EU Register (Health Claims, EU-Kommission): https://ec.europa.eu/food/food-feed-portal/screen/health-claims
- Commission Regulation (EU) 432/2012 (Liste zugelassener Claims): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/HTML/?uri=CELEX:32012R0432
„Signifikante Menge“ / NRV-Logik
- Regulation (EU) 1169/2011 (LMIV/FIC), Annex XIII (significant amount): https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CONSLEG:2011R1169:20111212:en:PDF
Dosis-Logik Beispiele
- Beta-Glucane (EU Register, Bedingungen inkl. 3 g/Tag): https://ec.europa.eu/food/food-feed-portal/screen/health-claims/eu-register/details/POL-HC-6248
- EPA/DHA (432/2012, 250 mg/Tag für Herz-Normalfunktion): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/HTML/?uri=CELEX:32012R0432
Referenzwerte & Verbraucherinfo
- DGE FAQ Ballaststoffe (Richtwert 30 g/Tag): https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/ausgewaehlte-fragen-und-antworten-zu-ballaststoffen/
- DGE Referenzwerte Vitamin B12: https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-b12/
- DGE FAQ Vitamin B12 (inkl. 4,0 µg/Tag): https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/vitamin-b12/
- DGE Referenzwerte Vitamin D (20 µg/Tag bei fehlender Eigenproduktion): https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-d/
- BfR: Vitamin B12 bei pflanzenbasierter Ernährung (FAQ): https://www.bfr.bund.de/fragen-und-antworten/thema/vitamin-b12-bei-pflanzenbasierter-ernaehrung-besonders-auf-eine-angemessene-versorgung-achten/
Probiotika & Evidenzprinzip
- NIH Office of Dietary Supplements – Probiotics (Health Professional Fact Sheet): https://ods.od.nih.gov/factsheets/Probiotics-HealthProfessional/
- ISAPP Konsensus (Hill et al., 2014, Nature Reviews Gastroenterology): https://www.nature.com/articles/nrgastro.2014.66
Sicherheit
- EFSA (2018): Safety of green tea catechins (EGCG, Leberrisiken bei hohen Dosen): https://www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/pub/5239
- EFSA News (Kurzfassung): https://www.efsa.europa.eu/en/press/news/180418
- BfR: Gesundheitliche Bewertung von Lakritze / Glycyrrhizin: https://www.bfr.bund.de/lebensmittel-und-futtermittelsicherheit/gesundheitliche-risikobewertung-spezieller-lebensmittelgruppen/ausgewaehlte-lebensmittel/gesundheitliche-bewertung-von-lakritze/
Produktdaten, Fotos & Abbildungen
- Herstellerangaben/Etikett „Grüne Mutter“ (Stand 15.12.2025) - Primärquelle: Produktlabel / Herstellerwebsite https://alphafoods.de/products/gruene-mutter
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